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Soennecken – ein Name, der verpflichtet

Die Mitarbeiter der Firma Aurand und Sudhaus reagierten verärgert, als sie sahen, was soeben einem ihrer Lehrlinge unterlaufen war. In einem Moment der Unachtsamkeit hatte er ein Tintenglas umgeworfen...

Hätte das Gleiche passieren können, wenn das Tintenglas in einem breiten, ausgehöhlten Holzklotz gestanden hätte? Mit Sicherheit nicht. Der Gedanke ließ den Lehrling nicht mehr los. Jahre später brachte er ein entsprechendes Tintenfass auf den Markt – nicht die einzige geniale Idee von Friedrich Soennecken, dem erfolgreichen Tüftler, Grafiker, Kaufmann, Unternehmer, Industriellen und Namensgeber der Soennecken eG. 

Geboren wurde Friedrich Soennecken am 20. September 1848 im heutigen Iserlohn als Sohn eines Kleineisenwarenherstellers. Nach der Schulzeit ermöglichten ihm Gönner und Freunde ein Theologiestudium, das er aber abbrach, als ihm eine kaufmännische Lehre angeboten wurde. Im Rahmen seiner Arbeit fiel Soennecken, der schon als Schüler großes kalligrafisches Interesse und Geschick bewiesen hatte, auf einem Wechsel eine neue runde Schrift auf, die ihm schön, exakt und nützlich erschien. Darauf entwickelte er ein völlig neues Rundschriftensystem, welches deutlich einfacher und schneller zu erlernen war. Tatsächlich wurde es zum Vorbild unserer heutigen Schreibschrift. 

Um die neue Schrift zu verbreiten, verfasste Soennecken entsprechendes Lehrmaterial, die so genannten Rundschrifthefte. Weil sich kein Verleger für sie fand, gründete er als geborener Kaufmann seinen eigenen Verlag. Was im Mai 1875 in Remscheid mit nur einigen wenigen Hilfskräften begann, entpuppte sich rasch als Erfolgsgeschichte – mit Umzug nach Bonn, immer neuen Produkten, immer neuen Fabrikhallen und immer mehr Mitarbeitern. Aus dem Verlag war schon längst eine Weltmarke geworden, ein industrieller Hersteller international begehrter Artikel rund ums Schreiben und die Arbeit im Büro. Wie hatte Soennecken das geschafft?

Nach der Einführung der Rundschrift brauchte es eine geeignete Feder; die entwickelte Soennecken ebenfalls selbst und ließ sie zuerst in England, später in seiner eigenen Fabrik mit sehr hohem Qualitätsanspruch herstellen. Sein Erfolgskonzept war damit schon klar erkennbar. Er entdeckte, wo es etwas zu verbessern gab, entwickelte dafür innovative Lösungen und mit dazu die entsprechenden Produkte, die zweckmäßig, stabil, langlebig und einfach zu handhaben sein sollten. Von da an wandte er sich der Büroarbeit zu, die seiner Meinung nach höchst reformbedürftig war. Effizienter würde sie nur mit neuen Büroartikeln werden. Damit stand die Agenda fest: Neues musste erfunden, Bestehendes verbessert werden.

Friedrich Soennecken war stets ein lösungsorientierter Erfinder. So resultierte die Markteinführung der Reisekopierpresse aus der umfangreichen Reisetätigkeit Soenneckens, der es gewohnt war, vor dem Postausgang jedes Dokument zu kopieren, unterwegs jedoch das dafür geeignete Gerät vermisste. Soennecken entwickelte und verkaufte, was Ordnung, Klarheit und Effizienz in die tägliche Büroarbeit brachte, darunter den noch heute unverzichtbaren Aktenordner, der damals „Briefordner“ genannt wurde, den dazu passenden Locher, die entsprechenden Schränke und Regale, den Umlegkalender, das Ringbuch und das Dauerkontenbuch, das den Zeitaufwand für die Buchhaltung halbierte. 1890 umfasste der Soennecken-Katalog bereits 150 Artikel. 

Soennecken versah jedes Produkt mit seinem Namen, brachte also frühzeitig Markenartikel auf den Markt. Nicht nur mit dem Schriftzug „Soennecken“, auch mit der Gewährung eines Umtauschrechts bürgte er für die Qualität seiner Waren. Zudem bearbeitete er systematisch den Markt, kooperierte mit großen Exportfirmen und passte seine Produkte den Eigenarten der Länder an, für die sie bestimmt waren. Allein 1913 gingen 72.000 Warenpakete in alle Welt. Als im 1. Weltkrieg eine Ausfuhr nicht möglich war, wurden die Soennecken-Artikel im Ausland von anderen Herstellern kurzerhand kopiert, unter Namen wie „Sannocken“ und „Sennocken“.  

Nach dem Tod Friedrich Soenneckens im Jahr 1919 führten erst sein Sohn, dann sein Enkel die Geschäfte fort. 1983 übernahm die Großeinkaufsvereinigung Deutscher Bürobedarfsgeschäfte die Namensrechte und mit ihnen auch das historische Archiv der Firma Soennecken. Das Logo der Genossenschaft erinnert an das Ringbuch und damit an seinen Erfinder. Erhalten geblieben ist auch das Selbstverständnis, bedingungslos auf Qualität zu setzen, sich nie mit der zweitbesten Lösung zufrieden zu geben, Innovationskraft und kaufmännische Tugenden gleichermaßen zur Geltung zu bringen und das Bewährte fortwährend zu optimieren. Die Soennecken-Erfolgsgeschichte geht weiter. 

Bei uns in Köln finden Sie eine Reihe an Soennecken Produkten. Schauen Sie bei uns vorbei.